Mein halbes Jahr offline

02 November 2010

Thema

Alex Rühle hat eine Idee, er möchte ein Experiment startet. Ist es heute möglich ein halbes Jahr offline zu leben? Ohne Internetzugang, ohne E-Mail, ohne die schicken Smartphons? Ist es möglich privat wie auch im Job nur noch analog zu leben? Das sollte doch gehen, schliesslich hat man ja noch Telefon, Fax, Briefpost, Bibliotheken... Vor 20 Jahren musste man das ja auch alles so bewältigen also kann er das doch auch!!

So gibt also Alex Rühle seine Internetpräsenz auf. Das Blackburry wird eingetauscht gegen ein lahmes Handy mit dem man grade mal telefonieren und simmsen kann. Auf der Arbeit wird das Mailprogramm mit Abwesenheitsmails gefüttert, Firefox und sonstiges was mit dem Internet zu tun hat wird runter geschmissen, verbannt für 6 lange Monate. Auch zu Hause wird das Lapi prepariert, man will ja allen Versuchungen aus dem Weg gehen. Und doch beschleicht schon während dessen ein Angstgefühl auf. Wird es Entzugserscheinungen geben? Langeweile? Oder wird alles noch viel Stressiger?!?

Fragen über Fragen die der Autor in einem Tagebuch niederschreibt. Gefühle, Gedanken, nerviges, kurioses... Alles wird protokolliert, für die Nachwelt, für die, die genau so verrückt sind wie er und es mal versuchen wollen, oder es zumindest in betracht ziehen. So zu sagen als psychische Vorbereitung auf dass was kommen könnte.

Erster Satz:

Der Proband bereitet sich vor Zeugen auf sein Experiment vor, verabschiedet sich von all seinen Freunden und hat im Aufzug Angst, so zu enden wie ein sibirischer Einsiedler.




Meine Meinung

Alex Rühle hat mit seinem locker, lässigen Humor das ganze echt toll geschrieben!! Das ein oder andere mal ertappt man sich selber wie man seine eigenen Verhaltensweisen, was das Internet anbelangt, entschuldigt, wie man sich selber einredet das es ja bei einem selber gar nicht sooooo schlimm ist wie bei dem armen Hund hier. Gut, ich bin nicht berufstätig, ich schreibe ja nur Hobbymässig an meinem Blog, Facebook hab ich auch erst vor kurzem gemacht, aber auch da nur in Zusammenhang mit meinem Blog, schliesslich finde ich für mein Autorenprojekt..... Ah... und schon wieder am rechtfertig und schönreden.

Vieles was Alex Rühle schreibt kennen wir, also wenn wir ehrlich sind, selber nur zu genüge. Vielleicht nicht immer ganz so ausgeprägt wie andere aber so suchtfrei sind wir ja doch nicht. Aber sind wir doch mal ehrlich, wollen wir überhaupt ohne? Also ich nicht. Handy könnte ich jetzt gleich weg geben. Ich brauch das eh nur seltenst, aber Internet? Ne, all die Kontakte, all die Möglichkeiten zu kommunizieren, nach Infos zu suchen und finden, auf das möchte ich eigentlich nicht verzichten wollen. Auch wenn ich ab und an noch Briefe schreibe, ist das mailen doch sehr viel praktischer, meist geht das schneller weil die Antwort nicht erst 2 oder 3 Wochen später kommt und man dann schon nicht mehr weiss was man eigentlich geschrieben hat.

Nein, das Internet ist für mich nicht mehr weg zu denken und ich finde das hat auch der Autor gut erkannt und rüber gebracht. Doch sollte man vielleicht öftersmal einfach abschalten und sich nicht den Druck machen unter dem man steht, denn ich als Bloggerin weiss das man sich den eben macht, auch wenn viele behauptend das es nicht so ist.

Das Buch regt an nachzudenken und sein eigener Konsum zu hinterfragen, man fühlt sich nicht mehr ganz so alleine. Ich kann jedem das Buch nur wärmstens ans Herz legen.

Fazit

Ein erfrischendes, humorvolles Tagebuch über die Internetabstinenz und seine Tücken.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Liebe Blogfreunde, ich freu mich über jeden Themenbezogenen Kommentar und hoffe auf interessanten Austausch :D