Wandel
Wenn aus Gefühlen, Gedanken und Taten Gedichte werden

30 August 2011


Inhalt

Gefühle, Gedanken, Taten. Aus all den Bereichen legt uns die Autorin Gedichte vor, zärtlich, Wortgewaltig, manchmal treffen sie mitten ins Herz, nanch andere verstören sie vielleicht auch, und doch, ein bisschen erkennt man sich darin wider.


Meine Meinung

Wandel trifft es eigentlich ganz genau, denn Gedanken, Gefühle wie auch unsere Taten sind nicht statisch, ich hoff es auf alle Fälle denn dies würde sonst bedeuten das wir uns nicht weiter entwickeln. Das Cover ist schlicht, so wie es sich meiner Meinung nach für ein Gedichteband gehört.

Der Schreibstil ist einfach, insofern man versteht was die Autorin damit sagen will. Nicht bei allen Gedichten von anderen Autoren ist das ja so, das mutet manchmal schon recht kryptisch an, aber hier findet man sich schnell wieder, und vielleicht könnte der ein oder andere Gedanke ja gar von einem selber sein. Und daher denke ich, gefällt mir das Büchlein auch so gut. Man findet sich wider...

Mein Lieblingsgedicht:

    Verliebt heisst sein
    verliebt sein
    heisst die eigenen
    gedanken
    nicht mehr ordnen
    zu können verliebt
    sein heisst nicht
    mehr
    klar
    denken zu können
    verliebt sein heisst
    alle
    regeln
    zu vergessen
    verliebt
    sein
    heisst
    glücklich
    zu sein


Es hat noch paar andere die ganz tief in mir drin was angesprochen haben. Wie zum Beispiel:
"Verloren" / "Völlig ohne" oder "Ein Staubkorn"


Fazit

Ein Büchlein voller Gedanken und Gefühle man nicht nur gerne verschenkt ;)


Wer gerne einen ganz kleinen Einblick in ein Gedicht erhaschen will kann das auf der Seite der Autorin machen, dazu braucht ihr nur hier lang zu gehen. Das Gedichtebüchlein ist auch nominiert für "Der neue Buchpreis", für den man noch bis zum 7. September voten kann. Wer das gerne tun möchte kann das tun, in dem er "Gefällt mir" klicken und zwar hier

Ich bedanke mich noch mal herzlich bei der Autorin für dieses Rezensions-Exemplar.


Tales of Partholon #1
Ausersehen

26 August 2011

Geschichte

Shannon, Lehrerin, 35, rothaarig und attraktiv hat sich ihren Feierabend verdient. Endlich kann sie ihrem Hobby nach gehen, dem ersteigern von Waren. Immer auf der Suche nach einem Schnäppchen macht sie sich auf den Weg zu einer Versteigerung, irgendwo im Nirgendwo. Aber sie freut sich und landet nach einer längeren Fahrt auf einer alten Farm wo sie nicht nur das übliche verhökern sondern auch Kunst! Tja, ob da wohl etwas dabei ist? Nach einigem Suchen erweckt eine alte Amphore ihr Interesse und das nicht nur weil die Urne ein Abbild trägt das ihr zum verwechseln ähnlich sieht sondern weil, wann immer sie in ihre Nähe kommt ihr ganz anders wird. Nach einigen Schwierigkeiten ersteigert sie die Urne spott billig und nimmt sie glücklich nach Hause, doch da kommt sie nie an denn plötzlich kommt ein Sturm auf und sie hat einen Unfall. Als sie dann endlich aus ihrer Bewusstlosigkeit wieder aufwacht ist einfach alles anders...wenn man mal von den verdammten Kopfschmerzen und der Übelkeit absieht. Ist sie vielleicht tot? 

Noch halb betäubt spricht sie ihre beste Freundin als Mylady an, das Zimmer in dem sie ist, entspricht nicht im geringsten einem normalen Krankenhauszimmer und auch die Sprache und Kleidung... Shannon erkennt nach und nach das sie irgendwie ganz wo anders sein muss, und sie wird mitten in ein Geschehen geworfen das sie nicht mehr verhindern kann. Bevor sie wirklich wieder bei sich und erholt ist, wird sie zu ihrer Handfeste geführt, und nicht nur das dies schon ein Schock wäre, nein, was sie dann erblickte, als sie erfährt wen sie heiraten soll, gerät sie erst mal in Panik...

Erster Satz:

Endlich unterwegs.


Meine Meinung

Der Deutsche wie auch der Originaltitel passen. Doch "Versehentlich Göttin" find ich etwas witziger und edler als "Ausersehen". Dies scheint mir etwas trocken und kommt der Protagonistin nicht nah genug. Das Cover find langweilig. Das verspielt keltische Knotenmuster passt zwar aber man hätte etwas mehr draus machen könnenso ist es leider nichts aussergewöhnliches.

Der Schrfeibstil von P.C. Cast ist einfach herrlich. Witzig, aber wirklich witzig, denn die Autorin spielt nur so mit den Worten und dem Wortwitz, sie ist ironisch, eindeutig zweideutig und sarkastisch. Es ist wirklich leicht und locker zu lesen und man überfliegt die Seiten regelrecht. Sie schafft es das man genau vor sich sieht was sie schreibt, man kann es manchmal sogar fast fühlen! Man kann lachen, weinen und sich sogar vorstellen was Shannon bei erotischen Szenen fühlt...

Die Geschichte hat ganz meinen Geschmack getroffen! Ich liebe Fantasy, genau so wie Mythologie und das ist gespickt mit einem guten Schuss Erotik ;). Die Autorin hat mit dieser Geschichte wirklich eine hervorragende Mischung geschaffen. Die Geschichte um Shannon die Lehererin, die sich plötzlich in einem anderen Land und einer anderen Zeit widerfindet ist ähnlich gestrickt wie die Romane von Suzanne Frank, nur das sie keinen historischen Hintergrund haben sondern auf Mythen aufgebaut sind. Was mich aber allerdings immer etwas gestört hat ist, das sie die griechische und keltische mischt. Keine Ahnung warum. Da bin ich vielleicht etwas perfektionistisch, aber es tut der Geschichte überhaupt keinen Abbruch, auch nicht das man nie weiss in welcher Zeit sie gelandet ist noch wo der Ort Partholon liegt. Es mutet aber alles etwas keltisch an, denn Shannon ist in der anderen Welt die Geliebte der Epona (die grosse Stute) die keltische Pferdegöttin. Im Roman nimmt sie aber auch die römische Gestallt an, der der Kriegsgöttin. Denn die Römer haben sie als einzige so übernommen und sie auch zur Schutzherrin des Krieges gemacht. Auch die anderen Wesen die eine wichtige Rolle spielen sind griechisch wie die Zentauren oder die Musen. Doch alles zusammen ergibt ein gutes gespann und eine gute Geschichte.

Shannon ist wie schon gesagt eine rothaarige Schönheit, frech, witzig mit einer guten Portion Sarkasmus und Ironie bestückt, doch will sie sich unbedingt das fluchen abgewöhnen. Sie ist eine Frohnatur und immer breit für alle Schandtaten. Das Selbstbewusstsein wird ihr in der neuen Welt nur zu gute kommen, genau so wie ihre warme Art und ihr offenes Herz. 

ClanFlintan, der Zentaur, mutig, entschossen, sehr schön und sexy!! Oder sollte ich sagen gar erotisch?! Er ist der Protagonist neben Shannon und noch vor dem Schluss kann man ihn gar nicht mehr weg denken.

Alanna, Shannons Sklavin, also eher die der Rhiannon, der Hohepriesterin der Epona. Sie ist unterwürfig, hat aber durchaus Humor wenn man sie lässt und ist warmherzig, fleissig und Loyal.

Lieblingsstelle:

Das war einfach. "Und was ist mit Epi, äh Epona?"
Beim Klang ihres Namens richtete die Stute ihre Ohren auf und in meine Richtung. Ich warf ihr eine Kusshand zu.
"Ich werde 2 Zentauren abkommandieren, mit ihr hier auf unsere Rückkehr zu warten. Wenn wir zurück sind, wird sie sicher wieder laufen können, wenn auch vielleicht noch nicht Ihr Gewicht tragen".
"Wie soll ich dann zu Burg und zurück nach hause kommen? Haben sie ein Pferd mitgebracht?" Ausser seine Freunde meinte ich.
"Nein". Sein lächeln wurde breiter.
"Soll ich etwa laufen?" Das würde ja ewig dauern. 
"Nein."
Er sah aus wie die verdammte Grinsekatze.
"Also, wie dann?" Was zum Teufel dachte er sich bloss?
"Sie werden mich reiten." Er verbeugte sich spöttisch, drehte sich dann um (wie ein gutes Westernpferd) und ging ans andere Lagerfeuer. 

Fazit

Ein überaus gelungener Auftakt zu einer neuen Trilogie voller Spannung und Fantasy! Sicher ein Highlight für mich dieses Jahres. Ich freu mich auf September da kommt der 2. Teil raus.


Für dieses Rezensions-Exemplar bedanke ich mich beim Mira-Taschenbuchverlag


Der tag, an dem meine Tochter verrückt wurde
Wenn die Realität ver-rückt

19 August 2011


Inhalt

Michael Greenberg ist geschieden, hat aber eine neue Liebe die er auch wieder geheiratet hat und eine 15 jährige Tochter. Sie sind glücklich, auch wenn es für Sally nicht ganz einfach ist, denn sie ist lernbehindert, aber nichts deutet darauf hin was im Sommer 1996 passiert. Praktisch auf einen Tag zum anderen bricht die Welt wie sie war für alle auseinander, denn Sally rastet aus, wird verrückt. Ohne zu wissen ob sie das richtige tun weisen sie Selly in eine Psychiatrische Klinik ein, wo dann der wahre Grund ans Licht kommt. Die Diagnose fällt... Bipolare - Störung I. Früher nannte man diese Störung Manische Depression.

Erster Satz: 

Am 5. Juli 1996 wurde meine Tochter verrückt.




Meine Meinung

Der Titel passt, aber ich mag das Wort Verrückt nicht so gerne, denn es ist doch sehr von Vorurteilen überschattet und vor allem mit Klischees. Ausser man liest es wie ich und andere "Ver- rückt" Etwas ist nicht mehr da wo es sein soll, es ist ver-rückt, oder ein Weltbild kann auch ver-rück werden genau  so wie der Verstand oder die Seele. Da gefällt mir der englische Originaltitel wesentlich besser "Hurry down Sunshine" Aber das Cover find ich einfach schön.

Michael Greenberg ist zwar Schriftsteller aber hier geht es nicht um Schreibkunst sondern einfach um ein Bericht über sein Erleben und Erfahren in dieser schweren Zeit. Also schreibt er wie er grade denkt, wie man halt mit einander redet. Es ist kein Medizinischer Bericht, alles was man liest versteht man auch, soweit man das bei so einer Störung kann. Also kein Fachchinesisch oder so.
 
Der Autor beschreibt grade mal eine Zeit von 4 Monaten. Von dem Tag an als Selly ihren ersten richtigen und so auch erkannten Schub einer Manie durchmacht. Es geht nicht nur darum was seine Tochter durch macht, sondern vor allem wie er das erlebt. Aus der Sicht eines "gesunden" und vor allem Vater. Er erzählt welche Gedanken, Vorwürfe und Schuldgefühle in ihm kämpfen. War er Schuld an dem ganzen? Hat er sie zu sehr verwöhnt, hat er sie einmal zu streng behandelt, hätte er es anders machen sollen oder was war sonst der Auslöser, kann man überhaupt was dafür und wenn ja, wie findet man raus was denn falsch gelaufen ist.... Er erzählt auch das er angst hatte das falsche zu tun als er sie in der Klinik "abgeliefert" hat, sie weg sperren liess. War das nicht falsch? All die polaritären Emotionen und Gedanken versucht er hier auf zu zeigen. Doch all das ist eine Luxusfrage, denn als erstes gilt, Sally wieder in die wirkliche Welt zurück zu holen. Und vor allem stabil zu halten. Michael Greenberg versucht auch aufzuzeigen wie die Vortschritte ablaufen, auch wenn sie noch so "klein" sein mögen, aber alles hat eben seine Zeit und eine Forsierung schadet mehr als das sie hilf...


Sally, ein wirklich aufgestelltes und fröhliches Kind, zwar mit einer Lernbehinderung aber dennoch glücklich lebend beim Vater und ihrer Stiefmutter.

Michael Greenberg ist ein liebender Vater, aufmerksam und soweit erfolgreich in seinem Job, bis eben das mit Selly passiert. Auch er hätte nicht gedacht wie sehr ihn das "ver-rückt" sein seiner Tochter in selber ver-rückt.

Pat, die Ehefrau und Stiefmutter, die Selly über alles liebt wird ebenso in einen Abgrund gezogen der sie aber nicht ganz so aus dem Leben reisst wie die beiden anderen, denn sie geht ihrem Beruf als Tänzerin nach und verarbeitet die ganze Sache in einem Tanztheater...

Sallys Mutter und Bruder, sind zwar ebenfalls ein Teil des Lebens wenn auch nur noch am Rande, denn beide leben sie etwas weiter weg und man sieht sich nicht so oft. Doch beide kommen und angagieren sich und helfen so auch zur Genesung bei.


Fazit

Ein wirklich ergreifendes Buch, dessen Erfahrungsbericht wirklich berührt, denn als Eltern kann man sich wirklich gut in die Rolle des Vaters hinein versetzen. Absolut empfehlenswert!!  

Deelenhüter
Der Begleiter der Toten

15 August 2011

Geschichte

Calder ist ein 19 jähriger Junge, aber kein normaler, denn er ist ein Mitglied der Eskorte. Diese sind dazu da, die Seelen der Verstorbenen auf die andere Seite zu begleiten. Diesen "Job" hat Calder schon über 300 Jahre inne und er macht ihn gerne, auch wenn er immer Zweifel daran hatte, dafür wirklich geeignet zu sein. Alles verlief immer ohne Probleme, nie ist ihm eine Seele verloren gegangen, doch dann, eines Tages, als er durch eine Todestür schritt erblickte er eine wunderschöne Frau. Dieser Anblick berührte ihn so tief im Herzen das es schon fast wieder weh tat, doch er wusste auch, dass er ihr nie nahe sein wird. Als er aber nach einiger Zeit dieser Frau noch mal begegnet ist er sich sicher das sie die "Auserwählte" ist. Nun musste er versuchen sich ihr mit zu teilen, ihr den Schlüssel zu übergeben und sie als Lehrling anzunehmen, doch mit seinem Tun stürzt er nicht nur den Himmel in ein Chaos, sondern auch auf der Erde kommt so einiges durcheinander, und er merkt zu spät was er angerichtet hat. Nun kann nur noch versuchen alles wieder ins Gleichgewicht zu bringen...

Der erste Satz:

Calder war seit seinem Tod im Alter von neunzehn Jahre ein Seelenhüter, ein Begleiter, ein Mitglied der Todeseskorte.


Meine Meinung

Dieses mal muss ich zugeben das mit der Deutsche Titel besser gefällt als das Original "The Fetch" Seelenhüter trifft es doch sehr viel besser und das Cover, wie nicht anders gewohnt beim Pan-Verlag, einfach traumhaft. Zudem passt es noch zum ersten Buch von Laura Whitcomb, Seelenlicht.

Wie schon in Seelenlicht ist die Sprache einfach und leicht. Die Altersempfehlung hab ich persönlich etwas rauf gesetzt, von 12 auf 15. Ich denke dass es mir 12 wohl noch etwas zu komplex ist. Gut, ich kann natürlich nur von meinen Erfahrungen ausgehen, andere mögen es sicher anders sehen. Aber es ist sicher auch ein Buch das erwachsene lesen können, ich kann es auf alle Fälle jedem Empfehlen und vor allem denjenigen die Silberlicht auch schon gelesen haben.

Die Geschichte um Calder, Alexis, Ana und Alexandra, ist eine wunderschöne, wenn auch manchmal traurige, aber ich finde es schön wie die Autorin wieder mit dem Thema Tod und Sterben, und vor allem was danach kommt, umgeht. Mit diesem Szenario kann ich mich identifizieren, denn auch ich bin nicht der Himmel/Hölle gläubige. Und auch ich denke, jeder macht sich den Himmel wie er ihn sich vorstellt. Auch die Botschaft hinter Calders handeln find ich eine schöne. Jeder macht Fehler, jeder hat auch das recht dazu sie zu machen, doch ist es wichtig es auch zu zu geben, nicht mal so sehr vor anderen, denn mehr vor sich selber. Und die "Strafe" dafür gibts gleich, denn jede Handlung zieht andere nach sich und wenn man eben einen "Fehler" macht sind die Folgen meist nicht so einfach und schön. Aber wenn man sich dann ihnen stellt kommt alles gut. In der Geschichte geht es aber auch noch um Liebe, Freundschaft, Glaube und Vertrauen, und wie diese Attribute Kraft und Mut verleiht.

Calder, der Seelenhüter ist ein etwas schüchterner Junge der über sich hinaus wachsen muss um die Fehler die er begangen hat aus zu bügeln. Durch die Kraft des Glaubens und des Vertrauens, genau so wie der Liebe könnte er das auch schaffen.

Alexis und Ana, die beiden Zarenkinder, die ungewollt mitten ins Geschehen geworfen wurden ohne zu wissen was mit ihnen passiert. Doch auf der Reise mit Calder geben sie ihr Misstrauen auf und wachsen ebenso über sich hinaus. Alexis macht wohl die grösste Wandlung durch, denn im Verlauf der Geschehnisse öffnet er sich und gibt den bockigen, arroganten Jugen auf und bringt sich durch eine selbstlose Handlung in Gefahr...

Rasputin, der ruhelose Geist, hin und her gerissen zwischen gut und böse, einfach weil er viel zu lange im Land der verlorenen Seelen weilte, man weiss nie ob man ihm noch vertrauen kann oder ob er einen absichtlich in die Irre oder gar den Tod führt.

Meine Lieblingsstelle:

Durch die Doppeltür vor ihm erhaschte er einen Blick in die Bibliothek. Grosse Fenster gingen auf einen der grossen, leeren Gärten hinaus, ein Feuer knisterte im Kamin, dunkle, ledergebundene Bücher bedeckten die Wände und lagen und standen unordentlich auf nahezu jeder Oberfläche - stapelweise neben Sofa und Stühlen, unter Lampen und auf dem weitläufigen Tisch, der sich über beinahe die gesammte Westwand erstreckte.

Fazit

Eine wunderbare Geschichte, die verspricht das nach dem Tod nicht einfach Nichts ist, sondern es der Beginn einer schönen Reise ist.


Ich bedanke mich beim Pan-Verlag für dieses Rezensions-Exemplar. Zufinden aber neu bei Knaur.


Die Farbe der Grausamkeit
Der Reiz einer Affäre

08 August 2011

Geschichte

Richard ist eigentlich ein glücklich verheirateter Mann und Vater von 2 wunderbaren Söhnen. Doch er führt ein jahrelanges Doppelleben, denn er hat eine Affäre mit Ursula. Eines Tages verlässt ihn seine Geliebte, doch die Obsession, die Liebe zu ihr bleibt hartnäckig an ihm haften. Irgendwann kommt er an den Punkt wo er dieses Leben aufgeben möchte, er möchte nur noch für seine geliebte Frau da sein, für seine Söhne und um dies zu schaffen kauft er ein runter gekommenes Berghaus das er zusammen mit seiner Familie renovieren möchte um endlich frei zu sein. Doch es wirklich so einfach? Kann man so eine Vergangenheit einfach abstreifen? Reicht da so eine Ablenkung, die Einsamkeit eines Bergdorfes? Und wie das Schicksal manchmal so spielt steht er plötzlich vor einer Entscheidung, einer sehr wichtigen Entscheidung...

Erster Satz: 

Ohne sich an die Stirn zu schlagen, wollte er es irgendjemandem erzählen, einem Menschen oder einer Ratte oder einem Hund, was er jetzt noch nicht genau wusste, aber ein blattloser Feigenbaum soll darin vorkommen, vielleicht auch ein zugefrorenes Schwimmbecken, bestimmt jedenfalls sonnenbeschienener Schnee, der unter jedem Schritt knirschte, darüber ein hellleuchtender, blauer Himmel.



Meine Meinung

Der Titel ist so Poetisch wie das Buch geschrieben ist. Das Cover ist sicher auch nicht schlecht aber ich selbst hätt jetzt etwas düsteres gewählt. Oder dann etwas Farben froheres...

Doch schon beim Schreibstil fangen meine Probleme an, denn dieser war echt sehr schwer für mich. Da ich an Legasthenie leide und für mich lesen eh schon anstrengender ist als für solche die nicht damit zu kämpfen haben, ist der vorliegende Schreibstil echt Kräfte zehrend. Es schwankt zwischen normalem und poetischem Schreibstil. Dann kommt noch dazu das der Autor zwischen Erinnerungen, der Gegenwart und Zukunftsdenken schwankt und dies ohne klare Abgrenzung. Heisst, das wechselt von einem Satz zum anderen, und manchmal hab ich das erst nach einigen Sätzen bemerkt. Auch innerhalb der Kapitel, heisst das 2. Kapitel zum Beispiel Ursula, kann man nicht davon ausgehen das er sich nur um diese Person und die Zeit befasst, sondern auch da switscht er hin und her. Für mich einfach zu unruhig, zu unstrukturiert, zu chaotisch. Und oft viel zulange Sätze, siehe oben beim Ersten Satz...

Die Geschichte, das Thema, wäre an sich ein super interessantes. Denn Bücher über Dreiecksbeziehungen, von betrogenen Partner, gibt es ja doch einige, doch ein Buch aus der Sicht des Betrügers hab ich bis jetzt noch keins gesehen oder gelesen. Die Thematik, kann ein Mensch 2 Menschen gleichzeitig lieben, find ich spannend und hab dazu auch meine eigene Meinung und mich daher auch sehr auf das Buch gefreut, doch trotz des guten Stoffes war für mich die Umsetzung grausam. Daher hab ich dem Buch dennoch 3 Sterne gegeben, denn nur weil mir der Schreibstil so nicht entgegen kam, heisst es ja nicht das die Geschichte schlecht wäre.  

Richard, der liebende Mann und Vater und der Betrüger. Für mich ein Person die man trotz allem verstehen kann. Auch wenn ich es nicht ok finde wie er das ganze macht. Wenige haben das Glück wirklich ihre Grosse liebe zu finden, noch weniger haben das Glück sie 2 mal anzutreffen, doch diese haben meist das Pech das diese 2. Liebe da steht wenn sie schon oder noch immer vergeben sind. Was machen? Tja, da gibts nur die ein oder andere Lösung, man geht eine weitere Beziehung ein oder nimmt Abstand von der Person. Doch Richard geht das Wagnis ein und verbringt eine wunderbare Zeit, zwischen heimlicher Affäre und einer tollen Ehe. Richhard ist für mich aber dennoch ein Mann ohne Rückgrad, er ist einfach nur egoistisch und er bemitleidet sich für meine Begriffe doch viel zu oft selbst.

Ursula, seine um ein paar Jahre jüngere Geliebte, eine Frohnatur, bildhübsch und aktiv, geniesst die Zeit, die heimliche, mit Richard. Sie scheint kein schlechtes Gewissen zu haben das zu Hause bei ihrem Geliebten noch eine Familie wartet. Ist es vielleicht das Vorrecht der Jugend sich so zu verhalten? Ich weiss es nicht. Ursula ist reduziert auf die Erinnerungen von Richard und daher für mich etwas zu 2 Dimensional im Gegensatz zu Richard von dem wir alle Höhen und Tiefen wie Kanten und Rundungen kennen. 

Dann noch seine Frau Selma, die liebende Ehefrau, die lange nichts zu wissen scheint, die aber dann um ihrerseits um ihre grosse Liebe kämpft. Man bekommt für sie auch erst ab dem Punkt vielleicht ein Gefühl.

Fazit

 Ein interessantes Thema aber schon fast "grausam" umgestezt. Schade...


Ich möchte mich noch für die Bereitstellung dieses Rezensions-Exemplar beim Haymon-Verlag bedanken.



Das haus der Schwestern
Eine weitreichende Vergangeneheit

02 August 2011

Geschichte

Barbara und Ralph haben Probleme, Eheprobleme, und daher dachte sich Barbara das sie ihrem Mann auf den 40. Geburtstag etwas spezielles schenken möchte, also eigentlich ihnen beiden, in der Hoffnung die Eher so retten zu können. Und so mietet Barbara ein Haus in Westhill, England. Ein altes Farmhaus im Hochmoor von Yorkshier. Durch die Abgeschiedenheit erhofft sie sich so mehr Zeit für ihren Mann zu haben, ihre Ehe, ohne die ständigen Ablenkungen des Alltags. Manchmal kann so was ja wirklich gut tun, doch wie sagt man immer so schön; "Es kommt immer alles anders als mans denkt"! Womit sie beide gar nicht gerechnet haben trifft ein, ein fürchterlicher Schneesturm schneidet sie total von der Umwelt ab. Im Haus gibts kein Strom mehr, keine Heizung noch haben sie genug essen... Doch wird Barbara abgelenkt von einem Manuskript über dass sie zufällt gestolpert ist. Neugierig was in dem sorgfälltig versteckten Buch steht, widmet sie sich die nächsten Stunden dem lesen und taucht in eine andere Zeit ein...In die Zeit von...

1907. Es ist die Geschichte einer jungen Frau, die in diesem Haus aufgewachsen ist. Es ist eine Zeit von erwachsen werden, sich finden und Liebe, Selbstständigkeit und Krieg. Die Geschichte erzählt das Leben der Familie Gray, aber vor allem die Geschichte von Frances Gray, mit all ihren Gedanken, Gefühlen und Geheimnissen. Über ihre Erfahrung in der Frauenrechtsorganisation, den Bruch mit ihrer Familie, dem Leben in London und ihre Erfahrung im Gefängnis, und dann die Erlebnisse im Krieg und schlussendlich wie sie alles aufs Spiel gesetzt hat um sich zu finden. Und auch die Rückkehr nach Westhill. Ein Leben voller Ereignisse, Erfahrungen und Leid. Ein Leben das immer ein Kampf war und sein wird aber wenn man sich nicht um die anderen schert fällt einem vieles leichter.

Wenn Barbara jedoch gewusst hätte was passieren würde wenn sie diese Geschichte liest, sie hätte es von Anfang an gelassen, denn wer hätte gedacht das alles noch bis in die heutige Zeit hinein wirkt und sie alle in Gefahr bring.

Erster Satz: 

Von meinem Schreibtisch, der am Fester steht, sehe ich hinaus auf die weiten, kahlen Felder des Hochmoors, über das der eisige Dezemberwind weht.



Meine Meinung

Das Buch hat einen sehr passender Titel und auch das Cover find ich sehr schön. Man erahnt die Einsamkeit in der diese Farm liegt. Und es hat auch etwas Geheimnisvolles und doch einfaches an sich.

Wie nicht anders gewohnt ist der Schreibstil von Charlotte Link locker und flüssig, so das man einfach von einer Seite zur anderen flutscht. Die Sprache ist bildlich, man kann förmlich die Gegend sehen, riechen und das Haus auch fühlen.

Ich liebe Geschichten über mehrere Jahre oder auch Generationen. Hier geht es um eine junge Frau die schon immer etwas anders war als alle anderen. Das pure Gegenteil von ihrer Schwester mit dem Engelsgesicht und sehr gehorsam. Frances Gray, ein sehr selbstbewusste junge Frau, die ihr Weg geht, auch wenn sie weiss das sie unter Umständen viel dafür zahlen muss aber dennoch ihren Kopf durchsetzt und ein Leben voller Ereignisse antrifft von denen sie nicht unbeschadet aber nicht zerstört heraus tritt. Sie hat eine Willenskraft die einer Frau zu dieser Zeit nicht zugestanden wurde, eine Zeit, wo die Frau am Herd zu stehen hatte, Kinder zur Welt bringen musste und ihrem Mann Untertan sein sollte, entscheidet sie sich dagegen und für ein Leben voller Selbstbestimmtheit. Ich finde Charlotte Link hat es hervorragend geschafft eine Geschichte zu schreiben die einen von der ersten Seite an packt und bis zum Schluss spannend bleibt.

Barbara und Ralph, erfolgreich in ihrem Job aber die Ehe hat gelitten: Barbara ist eine Karrierefrau und ihr Mann ist eher der Softi. Und irgendwie ging da manches unter und sind daher jetzt in Schwierigkeiten die sie versuchen zu lösen. Hätte er sich doch mal eher ein- oder durchgesetzt, vielleicht wär es ja anders gekommen.

Frances Gray und ihre Schwester Victoria. Schwestern wie Tag und Nacht und beide haben eigentlich nur Verachtung für einander übrig. Jede kämpft auf ihre Weise. Auch wenn Victoria mit ihrer Art nichts erreicht. Sie jammert nur ständig aber ändern tut sie nichts, Frances ist da ganz anders, sie jammert nicht sondern handelt. Dies lässt sie vielleicht etwas hart, kalt und unnachgibig erscheinen doch ist sie mir selber sehr viel sympathischer als ihre Schwester. Da ist auch noch ihr Bruder George, ein charmanter junger Mann der aber nach dem Krieg nicht mehr der Mensch ist der er war und John, die erste Grosse Liebe von Frances, der sich wohl sein Leben auch ganz anders vorgestellt hatte, ein Leben mit Frances doch alles kam ja anders...  

Fazit

 Ein wirklich gelungenes, spannendes, erschütterndes und ergreifendes Familiendrama.Wer Charlotte Link oder Familiengeschichten mit dunklen Geheimnisse mag sollte sich das Buch nicht entgehen lassen!