Leben im Käfig #1
Gefangener der eigenen Ängste

09 April 2012

Geschichte

Ich bin Andreas, knapp 20, lebe noch bei meinen Eltern die so reich sind das ich eigentlich selber nie arbeiten müsste, ich habe alles was man sich wünschen kann und doch bin ich einsam, Tod unglücklich und ich bin ein Freak. Warum? Ich habe keine Freunde, geh nicht in die Schule und ich lebe in einem Käfig, genauer gesagt, hauptsächlich in meinem Zimmer, ich sehe weder Menschen draussen, noch Schulfreunde und meine Eltern genau so wenig. Ausser die Haushälterin, sie ist die einzige die sich um mich sorgt, schaut das ich nicht aus dem Leim falle und die Hütte geputzt ist. Warum ich eingesperrt bin? Nun, das ist nicht so einfach zu erklären, nur so viel ... das hat alles mit meinen Phobien zu tun, ich leide seit meinem 7. Lebensjahr an Agoraphobie und einer Panikstörung und dass in einer sehr ausgeprägten Form. Doch ein von Winterfeld ist nicht irre, sonder allenfalls egozentrisch.

Als ich die Hoffnung schon lange aufgegeben habe das ich jemals Freunde haben werde, taucht plötzlich aus dem Nichts Sascha auf! Sascha wird mein Anker, mein Seelenheil, meine grosse, heimliche Liebe, schliesslich weiss keiner das ich auf Männer stehe und ich will den Neuen ja nicht vergraulen und nehme was ich bekomme und dass ist schon viel mehr als das ich mir je hab erträumen lassen. Nach dem ersten verpatzen Zusammentreffen meinerseits ergab sich dann doch ein Gespräch wo wir merkten was wir gemeinsam haben und so haben wir uns eine Freundschaft aufgebaut, denn wir beide brauchen einander, er wegen der verkorksten Familienereignisse und ich, nun, was soll ich dazu noch sagen.

Doch aus der Freundschaft wurde mehr!! MEHR... Wahnsinn, wir beide lassen uns fallen, krallen uns aneinander fest auch wenn es alles andere als einfach ist mit mir, aber Sascha ist stark, und er wird uns beide retten.... 





Dachte ich....

Erster Satz: 

Durch die Sprossenfenster fiel gleissendes Licht.


Meine Meinung

Titel und Cover sind schlicht und doch so passend. Wenn man den Handabdruck am Fenster sieht steigt in mir doch gleich eine Sehnsucht und gleichzeitig eine Beklemmung auf. Es ist der einzige Kontakt nach draussen... Fast.

Raik Thorstand wechselt zwischen den beiden Protagonisten hin und her. Er schreibt also immer aus beider Sichweise. Der Schreibstil ist flüssig und einfach und doch hebt er sich von anderen Autoren ab. Was ich sehr angenehm finde und schön zu lesen ist. Es gibt keine Kapitel sondern nur Absätze was absolut ok ist.

Als erstes muss ich sagen, es ist mein erster Gay Roman. Ich bin ja immer neugierig und offen für Neues, ich habe ja nichts gegen Homosexuelle also warum nicht mal ein Buch darüber lesen. Und ich wurde nicht enttäuscht! Die Geschichte ist so viel mehr als nur Liebe und Sex, sondern durch die beiden verschiedenen Problematiken der jungen Erwachsenen, machts die Geschichte zu einem wirklich tollen Werk. Es ist nicht einfach eine billige Geschichte die sich nur um den Sex zwischen den beiden dreht, sondern viel mehr um die Gefühle, die Probleme und deren Gedanken dazu. Beide noch keine 20 reflektieren sich ständig, was ich zwar für dieses Alter etwas unwahrscheinlich halte, wobei bei Andreas und seiner Krankheit kann es gut sein das es für ihn eine Art Erhaltungstrieb ist.

Thorstand schreibt mit viel Einfühlungsvermögen und sehr realistisch. Er wird sich wirklich mit der Krankheit auseinander gesetzt haben und das find ich eben so spannend. Ich kann das Buch nicht nur Schwulen empfehlen weil es speziell auch auf Ängste dieser Menschen eingeht sondern weil es im Grunde jeden treffen kann. Jeder verliebt sich, jeder hat seine Probleme, einer von beiden ist meist der Stärkere, muss mehr aushalten, geduldiger sein oder hat auch Anlaufschwierigkeiten in der Liebe. Wer sich allerdings schwer tut mit homosexuellem Sex, der sollte vielleicht die Finger von lassen. Es ist zwar wirklich nicht viel beschrieben, auch hält es sich in einem Rahmen der noch "normal" ist und nicht in die Pornographie abdriftet. Und wie ihr seht gehört das Buch sicher zu meinen Highlights dieses Jahr!

Der Schluss lässt übrigens auf eine Fortsetzung hoffen, also ich würde mich freuen wenn die Geschichte weiter gesponnen werden würde ;)

Zu den beiden Protagonisten kann ich folgendes erzählen...

Andreas, knapp 20, Phobiker in seiner schwersten Form. Er fühlt sich einsam, nicht nur aus dem Gefühl heraus sondern er ist es tatsächlich, obwohl er im Haus seiner Eltern lebt. Aber mehr auch nicht. Denn sie hatten nie Zeit für ihn, und als er sich nicht so entwickelte wie sie es von ihm erwarteten war es für sie normal, ihn einfach links liegen zu lassen. Ganz bequem war es für sie dann, als Andreas sich irgendwann begonnen hat sich im Zimmer zu verschanzen. Man füht mit ihm, man erstickt fast selber wenn man seine Gedanken liest, mit erlebt wie er gegen all die Ängste kämpft, es drück auf den Brustkorb wenn man merkt wie traurig er ist und wie sehr er sich aufgibt.

Dann wär da nochSascha, ein lebensfroher Junge, steht zu seinem Schwulsein was ihm auch ziemlichen Ärger zu Hause eingebracht hat. Doch er gibt nicht auf, ist ganz der Kämpfer wenn manchmal auch nur aus Trotz oder Prinzip. Wo Andreas seinen Platz eigentlich auf dieser Welt schon aufgegeben hat, sucht und kämpft Sascha dafür.


Meine Lieblingsstelle: 

"Ich appelliere einfach an deinen gesunden Menschenverstand, das du keine Orgien feierst." 
"Was ist eine Orgie?" wollte Fabian sofort wissen.
"Ist das cool? Könnten wir zu meinem nächsten Geburtstag so was machen?"


Ich bedanke mich an der Stelle nicht nur beim Autor sondern auch beim FantsyZeitVerlag für dieses Rezi-Exemplar.


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