Mord unter den Linden
Berlin 1890

24 September 2012

Geschichte

Mein Name ist Otto, Otto Sanftleben. Dr. Sanftleben. Ich hab mich auf das Gebiet der Psychologie und Morphologie spezialisiert. Eigentlich wurde ich nur an einen Vortrag eingeladen, den ich interessierten Menschen halten soll, doch jetzt wurde ich gebeten an einem Fall mit zu ermitteln. Hier in Berlin geht ein grausiger Mörder um, welcher eine junge Frau gekreuzigt hat. Dank meines Wissens werde ich versuchen den Fall zu lösen, doch es ist alles viel komplizierter als ich es erst gedacht habe... 

Erster Satz:

Sie hatten ihn ausgezogen, Eisenringe um die Hand- und Fussgelenke geschlagen und nackt an die Mauer gekettet.



Meine Meinung

Der Titel passt und das Cover ist sehr speziell. Auf den ersten Blick scheint es ein colleriertes Foto aus dem Jahre 1880 zu sein aber bei genauerem hinsehen ist es eine Zeichnung. Ich find es mal was anderes. 

Der Schreibstil von Tim Pieper ist gewohnt flüssig und locker wie schon beim Debüt-Roman. Die Sprache enthält zwar einige französische Sätze, welche aber am Schluss des Buches übersetzt werden. Da die Geschichte im Jahre 1890 spielt ist die Sprache auch etwas steif gehalten, aber nicht so sehr das es anstrengend wirkt.

Als erstes ist mir aufgefallen das Tim Pieper wirklich gut recherchiert hat. Bis in kleinste Detail, wie Haaröl oder das Eau de Cologne welches zu der Zeit existierte und die waren auch rege im Gebrauch. Das macht das Buch gleich viel interessanter. Auch die wirtschaftlichen Probleme sind gut aufgenommen worden.

Doch hat mir das Buch nur "ganz gut" gefallen. Da war ich vom Debüt, Der Minnesänger, schon sehr viel mehr begeistert. Doch die Geschichte um den Mord und die Gedanken von Dr. Sanftleben haben mich dennoch gut unterhalten. Wenn man bedenkt wie man vor noch nicht mal all zu langer Zeit über den Menschen dachte. Z.B. das man anhand der Gesichtszüge schliessen kann was für ein Mensch der andere ist. Gut haben wir heute dazu gelernt ;)

Ich weiss nicht genau woran es lag das ich dem Buch "nur" ein GUT vergeben kann, denn die Kritiken waren ja durchwegs super, doch richtig gepackt hat es mich nie, und das braucht ein Buch
einfach um 4 oder gar 5 Sterne zu bekommen. Es ist halt schon ganz was anderes, das Buch spielt dieses mal vor etwas mehr als 100 Jahren, der Minnesänger aber im Mittelalter. Ihr merkt schon, es fällt mir schwer denn wirklich was negatives kann ich über den Roman nicht sagen, denn die Geschichte ist schlüssig, auch nicht vorhersehbar, wie ich finde und das wichtigste, sie geht zum Schluss auf. Und doch fehlte mir etwas.

Den 4. Stern bekommt das Buch weils so gut recherchiert wurde.

Dr. Sanftleben, der Protagonist scheint erst mal eher ein unscheinbarer und zurückhaltender Mann zu sein, doch entwickelt er sich in der Geschichte zu einem selbstbewussten Mann der die Sache auch mal in die eigenen Hände nehmen kann und sich durchzusetzen weiss.

Frederike, sie ist mir besonders ans Herz gewachsen. Sie hatte es nie leicht und doch lernt sie irgendwann den Mut zusammen zu nehmen und sich gegen Obrigkeit zur Wehr zu setzen. Dazu verholfen hat ihr sicher die Liebe, die sie das wohl das erste mal so richtig empfunden hat.

Aber im Allgemeinen sind die Personen wirklich gut gezeichnet, man kann sich schnell ein Bild von ihnen machen und vor allem, sie sind glaubhaft.

Meine Lieblingsstelle:

Ich bin diesem Vehikel verfallen. Es sind" ....er erinnerte sich an die Formulierung des Kriminaldirigenten im Club von Berlin," ... Ungetüme aus Stahl und Blech, die die Sittlichkeit untergraben. Erst jetzt begreife ich wie gefährlich sie sind. Die Haft ist mir eine Lehre. Sie hat mir die Augengeöffnet."


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