Federleicht
Wenn Anorexie das Leben bedoht

04 September 2012

Inhalt

Leonie erzählt in diesem beeindruckenden Buch ihr Leben mit Anorexie nervosa,  das so schleichend begann das erst keiner es merkte, nicht mal wirklich  sie selber. Als sie dann aber mitten drin war und es auch für andere offensichtlich wurde, war ihr Selbstbild schon dermassen verzerrt das sie es nicht erkannte und noch immer dachte sie sei viel zu dick. Sie erkannte ihre Situation noch nicht mal in dem Moment, als sie wirklich kurz vor dem sterben war und Notfallmassig in den Spital kam um Zwangsernährt zu werden. Selbst da noch schaute sie ihren bis auf die Knochen abgemagerten Körper angewidert an und meinte dass sie viel zu dicke Schenkel habe.




Meine Meinung

Das Foto zeigt eine fast Elfenhafte junge Frau, hübsch, sehr zierlich aber dennoch mit neugierigem, wenn auch mit etwas melancholischen Blick, es ist Leonie selbst. Ich finde es ein wirklich gelungenes Foto und der Titel, so verzaubert, so leicht er auch klingen mag, so schockierend ist er eben auch... Denn. welche Qualen dahinter stecken wissen nur die Betroffenen.

Leonie schreibt flüssig und leicht. Das Buch ist angenehm zu lesen. Es finden sich keine Fremdwörter im Buch, so wie in vielen Fachbüchern. Sie schreibt einfach ihre Gedanken und Erfahrungen auf, so wie sie denkt.

Das Buch ist dünn mit seinen unter 200 Seiten und doch voller Emotionen, so das man manchmal das Buch etwas auf die Seite legen muss um Luft zu holen, um nachzudenken um zu verdauen. Es ist keine leichte Kost, denn nur schon zu lesen was Leonie sich Tag für Tag angetan hat ist unfassbar. Und das über Jahre und doch, das Buch hat einen Sog dem man sich hingibt.

Das Buch ist sicher für Betroffene sehr zu empfehlen, egal ob für Anorexieerkrankte oder deren Angehörige, denn Leonie schreibt hier offen wie sie das ganze erlebt hat, was ihr geholfen oder eben auch nicht geholfen hat. Welche Zwänge sie beherrschst haben, welche Ängste sie Tag für Tag, Stunde für Stunde begleitet haben und was sie sich alles für Trick ausgedacht hat, um noch mehr Kalorien los zu werden. Sie erzählt ehrlich wie schwer der Kampf gegen diese Krankheit, Selbstmord auf Raten, war und auch heute noch ist. Auch lässt sie ihre Zwillingsschwester zu Wort kommen genau so wie ihre Mutter und den Vater. Und manche Eltern werden sich bestimmt darin wieder erkennen oder eben ihr eigenes Kind. Auch welche Gedanken sie sich gemacht haben bezüglich Schuld. Die ist wohl eine der wichtigsten, drängendsten Fragen die sich Eltern wohl stellen, was ist meine Schuld an dem Ganzen? Man merkt schnell das man nicht alleine ist, das auch andere Eltern auf Tricks rein gefallen sind, auf die selben Ausreden...

Leonie schreibt klar das es kein Selbsthilfebuch ist, noch das sie eine Lösung hat oder weiss wie man das alles am besten therapiert, denn die Krankheit, auch wenn viele Grundstrukturen bei allen Patientinnen und Patienten gleich sein mögen, stecken dennoch immer individuelle Geschichten dahinter, die man eigentlich so nicht pauschal behandeln kann, was ihr geholfen hat, kann bei einem anderen vielleicht genau das Gegenteil bewirken. 

Das Buch, nein Leonie hat mich zu tiefst berührt und gerührt. Mit ihren jungen Jahren hat sie schon so viel durch gemacht und hat es geschafft mit Hilfe der Liebe, die sie von ihren Eltern, der Schwestern und Verwandten bekommen hat, den Kampf gehen die Anorexie auf zu nehmen und in ein einigermassen "normales" Leben zu starten.


Zitat:  Seite 41

Für einen gesunden Menschen ist das Hungergefühl nichts Angenehmes. Doch wenn sich mein Magen vor Leere zusammenzog, bewirkte das ein Gefühl von Triumph, Freude und Glück. Ich konnte mich erst leicht und frei fühlen, wenn mein Bauch leer und klein war.

Zitat: Tagebucheintrag vom 23. Februar 2011

Vor einem Jahr noch betrachtete ich die Magersucht als eine kleine Fee. Eine süsse Fee, die links über meiner Schulter schwebte. Sie war ein Teil von mir, den ich nicht mehr hergeben wollte. Nun wanderte sie auf die rechte Seite meiner Schulter und entwickelte sich zu einem Giftzwerg. Dieser Zwerg beisst andauernd in den Hals, zwickt mich und möchte mich einfach nicht in Ruhe lassen. Er belässtigt meine Familie, mein Leben und mich. Deshalb kämpfe ich, wann immer er kommt, tapfer gegen ihn an.



Ich bedanke mich herzlich beim Wörterseh Verlag für dieses Rezensionsexemplar und das mir entgegengebrachte Vertrauen.


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