Firmin
Ein Rattenleben

01 Dezember 2012

Geschichte

Tja, wo fang ich an... Ich denke bei meiner Geburt, oder? Ich bin Firmin und erzähl euch mein Leben.
Aufgewachsen bin ich bei einer alkoholkranken Mutter und 12 Geschwister. Ja, das war echt hart, zumal ich immer der kleinste, der schwächste war und natürlich der Aussenseiter. Nicht nur weil ich
mich kaum durchsetzen konnte sondern weil ich einfach anders war als sie. Ein Freak. Ich hab mich schon früh für Bücher interessiert, gut, zuerst hab ich sie gefressen... ja, ich war jung, was solls, müsst nicht drauf rum reiten, aber später hab ich mir dann das lesen selber beigebracht und da wars um mich geschehen, ja ich schäme mich für mein früheres verhalten, wenn ich bedenke was ich alles
gefressen habe, all dies geht mir jetzt leider abhanden und kann nicht zurück gebracht werden. Aber trotz allem hatte ich ne Zeitlang den Himmel auf Erden, denn wo ist ein Leseratte wohl besser aufgehoben als in einem Buchladen?! Eben... ihr wisst was ich meine, doch trotz allem war mein Leben alles andere als einfach.

Ich, der die Worte nur so in mich aufsauge, bin nicht fähig zu sprechen... All die wunderbaren Worte
die durch mein Hirn schiessen bleiben ungesagt, ungehört...

Ich bin ein Freak, ich bin einsam... 



....ich bin eine Ratte.

Erster Satz: 

Ich hatte mir immer vorgestellt, dass meine Lebenserinnerungen, wenn ich sie jemals niederscheiben sollte, mit einem grossartigen ersten Satz anfangen müsste: mit etwas Lyrischem wie Nabokovs „Lolita, Licht meines Lebens, Feuer meiner Lenden“ oder, falls das Lyrische mir nicht so läge,  vielleicht mit etwas Philosophischem wie Tolstois „ Alle glücklichen Familien und sind einander ähnlich;  jede unglückliche Familie ist auf ihre besondere Art unglücklich“




Meine Meinung


Der Titel passt, wie ich finde ganz gut, kurz und aussagekräftig. Das Cover ist erfrischend anderes, mal was gezeichnetes :)  Die Zeichnung ist zwar schlicht aber dennoch kommt der Charakter von Firmin gut rüber. 

Der Autor schreibt diese Erzählung natürlich in ICH-Form. Wie eine Autobiografie. Was die Sprache
angeht, die ist nicht sehr hochstehend aber schön flüssig zu lesen. Aber Sam Savage hats geschafft die Stimmung gut einzufangen und die Melancholie kommt gut rüber.

Firmin die Ratte erzählt uns ihr Leben. Von seiner Geburt und dem zusammenleben mit den Geschwistern, was nicht einfach war für ihn. Gezeichnet von Ausgrenzung, Einsamkeit und dem verkannten Genie, schlägt er sich durch sein Rattenleben. Doch die Liebe zu den Büchern und deren Geschichten halten ihn immer wieder über Wasser, auch dann, als er eine bittere Enttäuschung einstecken muss.

Firmin erzählt Situationen meist anhand von Buchtiteln und Zitaten aus Büchern, was dieses Buch wirklich spannend macht. Wie im Beispiel des ersten Satzes schon unschwer zu erkennen ist. Das ein oder andere Buch kennt man vielleicht oder wenigstens sagt einem der Autor was. 

Der Protagonist, das wär dann logischerweise Firmin die Ratte. Ein schüchternes, Tierchen das einem schon echt leid tut, das man am liebsten einfach knuddeln und streicheln möchte. Man würde sich sicher auch gerne mit ihm unterhalten. Firmin hat ein ganz anderes Bild von sich als wir es von ihm bekommen und eben dies macht ihn so sympathisch.
 

Lieblingsstelle: 

Und das von einem Gör, das vermutlich nicht mal das ABC beherrschte - es war wirklich demütigend. S. 151

Fazit

Ein Buch für alle die es mögen aus der Sicht der Tiere eine Geschichte erzählt zu bekommen genau so für alle Leseratten unter uns.




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Liebe Blogfreunde, ich freu mich über jeden Themenbezogenen Kommentar und hoffe auf interessanten Austausch :D