Schlagwort - Recherche

24 Februar 2015

Der Anfang machte damals Claudia Winter, und darum ist sie auch hier wieder die erste. Mit ihrer Antwort zum ersten Schlagwort eröffne ich hier diese Rubrik wieder. 

Leider ging das Projekt total unter weil sich in diesem Moment einfach zu wenige Autoren gemeldet haben, dennoch möchte ich diese Rubrik wieder aufleben lassen und hoffe nun neue Autoren begeistern zu können. 

Recherche



Schreib mich
© Alexandra Zoth 

Inflagranti erwischt. Da sitze ich nun im wohlverdienten Sommerurlaub am Pool, drehe mich von links nach rechts (je nach Sonnenseite) und amüsiere mich über „Maria ihm schmeckts nicht!“ von Jan Weiler, als mich Alexandra Künzlers E-mail erreicht. „Recherche“ soll das Thema sein. Ich schiele zu meinem Kindle, der noch vier weitere Romane hütet, die sich ausschließlich mit Italien beschäftigen - genauer gesagt, mit den Italienern an sich. Na, das passt ja.

Was das mit dem Thema hier zu tun hat, mögen Sie jetzt fragen. Nun. Recherche beschäftigt sich in meinem Genre gottseidank (!) nicht mit historischen Kausalitäten. Nicht, dass ich nicht den Hut vor den werten Kollegen und Kolleginnen zöge, die den Biss haben, sich monatelang mit dem finsteren Mittelalter im allgemeinen, den Lebens- und Essgewohnheiten von Lehnsherren und Leibeigenen im speziellen - oder der Frage widmen, weshalb die Kirche es bis heute erfolgreich geschafft hat, die Moderne zu ignorieren. Respekt, ich könnte das nicht.

Mich interessiert vor allem das, was mir täglich auf der Straße, an der Tankstelle oder im Supermarkt begegnet. Oder im Urlaub in Italien - dort soll mein aktueller Roman spielen. Das war schon immer so. Ich interessiere mich für Menschen - manchmal mehr, als der Etikette entspricht.

Es kann passieren, dass ich mitten im Baumarkt stehen bleibe und einen schlechtgelaunten Mann dabei beobachte, wie er eine Palette Orchideen-Pflanzen auf seinen Wagen hievt, während seine Frau (?) im Tigermini mit dem Verkäufer flirtet. Was gibt es zum Beispiel Faszinierenderes, als eine mütterliche Gesichtsfarbe, die von rosig zu aschfahl und anschließend hochrot wechselt, weil das beratungsresistente Töchterchen die unterste Ravioli-Dose aus dem Aufsteller zieht? Oder Herr Müller von nebenan, der in Unterhose und Rippshirt seinem Terrier hinterher hetzt, der eigentlich „nur spielen“ will, was die Nachbarskatze aber ganz anders sieht? Eben.

Deshalb recherchiere ich ständig, unentwegt und andauernd. Jede menschliche Begegnung liefert mir Futter für Figuren, die ganz von selbst meine ständigen Begleiter werden, sobald sie sich vom Blatt erheben. Sie sind launisch, selbstbestimmt und immer wieder überraschend. Meist liebe und hasse ich sie gleichermaßen. Eine Stärke meiner Geschichten, denn die Story schreibt sich ganz von selbst, schweben diese eigenwilligen Geister (Protagonisten und Nebenfiguren) erst einmal um mich herum.
Natürlich ist mit den Menschen meine Recherche nicht am Ende. Normalerweise verbringe ich zwei bis drei Monate auch damit, örtliche Gegebenheiten auszukundschaften, am besten vor Ort – oder mich mit Flugplänen, Gesetzestexten oder/und berufsspezifischen Branchen vertraut zu machen. Ich spreche mit Fachleuten - oder eben waschechten Italienern.

Ein Autor, der seine Geschichten so realitätsgetreu als möglich erzählen möchte, erfährt in der Recherchezeit eine ganze Menge. Übers Bankgeschäft, über Hunderassen, darüber was ein mise en place ist und wie Kleopatra das teuerste Bankett der Weltgeschichte abhielt. Man schreibt sich die Finger wund, ordnet in Dateien, sortiert nach Themen. Eine Qual für jeden, dem Kategorisieren, Ordnen und Auswerten nicht liegt. In meinem Fall kommt auch noch das Kochen hinzu (derzeit bei 35 Grad Außentemperatur *schwitz), denn mein Markenzeichen sind außergewöhnliche Rezepte, die Bestandteil meiner Romane sind. Jedes von ihnen möchte getestet und beurteilt werden - sehr zum Gefallen meiner Familie und Freunde.

Das Gefühl, zu Ende recherchiert zu haben, lässt sich nicht am Stoff selbst festmachen. Der ist meist unendlich. Man findet immer neue Informationen „die man vielleicht brauchen könnte“.  Tatsächlich endet die Recherche in meinem Fall mit dem unbändigen und unaufschiebbaren Gefühl, schreiben zu MÜSSEN. Einerseits, weil die nervtötende Protagonistin allmählich unangenehm laut ins Ohr schreit - andererseits, weil das Kopfkino Bilder produziert, die es wert sind, niedergeschrieben zu werden. Dann ist der Moment gekommen, in dem ich mein Italienbuch mittendrin zur Seite lege und die sonnengeplagte Haut in Sicherheit bringe. In den Schatten – wo mein kleiner Laptop wartet. Und ganz leise flüstert. „Schreib mich!“

Liebe Claudia, danke dir viel mal für diese ausführliche, interessante aber auch witzige Antwort, es hat mich sehr gefreut und ich hoffe auf bald ;)

Mehr zur Autorin

Ihre Botschaft ist eindeutig: sich selbst nicht allzu ernst nehmen, mit offenem Herzen durch die Welt gehen, um Flügel wachsen zu lassen. 

Homepage: www.c-winter.de 

Veröffentlichungen: 

Unter anderem...

Und natürlich hoff ich das auch ihr Leser an dieser neues Rubrik spass haben werdet. 

Liebe Grüsse
Alexandra

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